Die Kirche des seligen Michał Sopoćko in Juodšiliai

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In Juodšiliai, einem Ort etwa 17 km von der litauischen Hauptstadt Vilnius in südlicher Richtung entfernt, erhebt sich die auf den Namen des seligen Michał Sopoćko konsekrierte Kirche. Sie ist die erste und vorerst einzige Kirche – nicht nur in Litauen, sondern weltweit – die der Obhut dieses Seligen übergeben worden ist. 

Der Priester Michał Sopoćko gehört zu den berühmten Persönlichkeiten der Geschichte von Vilnius und zu den Heiligen und Seligen der Kirche (Hl. Kasimir, Hl. Andreas Bobola, Hl. Josaphat Kunzewitsch, Hl. Raphael Kalinowski, der selige Jurgis Matulaitis und die Hl. Faustyna), die in dieser Stadt ihre Spuren hinterlassen haben. Er war Priester der Erzdiözese Vilnius, Professor an der damaligen Stefan-Batory-Universität, Kaplan der Armee, Beichtvater von Schwester Maria Faustyna Kowalska, die im Jahr 2000 kanonisiert (heiliggesprochen) wurde, und rastloser Apostel der Barmherzigkeit Gottes.

Die Kirche von Juodšiliai wartete ganze 80 Jahre auf ihre Weihung. Der auf Initiative der Ursulinen vor dem Zweiten Weltkrieg (1936) begonnene Bau der Kirche wurde aufgrund der angespannten Lage in Litauen nicht abgeschlossen. Nach Kriegsbeginn musste das Bauvorhaben unterbrochen werden und kurz darauf wurde in dem Gebäude ein Kinderheim, später ein Krankenhaus und eine Poliklinik eingerichtet. Die zukünftige Kirche erlitt 1991 bei einem Brand starke Schäden.

Nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens lebte die Idee von einer funktionstüchtigen Kirche wieder auf. Die Gläubigen von Juodšiliai und aus der Umgebung sammelten Geldmittel für die Bauarbeiten und gaben dem Gebäude seiner tatsächliche Bedeutung. 80 Jahre nach dem von den Ursulinen begonnenen Bauvorhaben wurde die Kirche 2016 feierlich geweiht. Es ist symbolisch, dass dies das von Papst Franziskus verkündete Jubiläumsjahr der Besonderen Barmherzigkeit war.

Die Beantwortung der Frage, warum die Kirche zu Ehren des seligen Sopoćko in Juodšiliai errichtet wurde, fällt nicht schwer. Im Zweiten Weltkrieg versteckte sich der Priester Michał Sopoćko in diesem kleinen Dorf, um der Verfolgung durch die deutsche Besatzungsmacht zu entgehen. Genau hier fand der Priester aus der Erzdiözese Vilnius Zuflucht und die Hilfe der Ursulinen, hier weitete er seine Tätigkeit als Seelenhirte aus und verfasste mehrere wissenschaftliche Werke über die Barmherzigkeit Gottes. Noch heute erinnern sich die alten Einwohner von Juodšiliai an den Priester Sopoćko bzw. den Tischler Vaclovas, der in einem Häuschen am Waldrand lebte, sich zwei Jahre lang unter dem Namen Vaclovas Rodzevičius bedeckt hielt und für viele Nachbarn benötigte Alltagsgegenstände aus Holz herstellte. 2012 wurde an der Wand des Hauses in der Sodų-Straße, welche „Vorsehung“ genannt wurde, eine Gedenktafel enthüllt, die von dem sich hier versteckenden Priester zeugt.

2012 wurde in der Stadt Vilnius eine Pflegeeinrichtung zur Palliativbehandlung bzw. ein Hospiz eröffnet, dem der Name des seligen Michał Sopoćko zuteilwurde. Hier werden schwer kranke Menschen in ihren letzten Monaten oder Tagen kostenlos gepflegt.

 

Michał Sopoćko

Er wurde am 1. November 1888 in einer hochgestellten und frommen Familie in Naujasėdis (oder Juševščizna), nicht weit von Aschmjany, im damaligen Gebiet von Vilnius (heute Belarus) geboren. Noch im Kindesalter kam im Herzen Michałs der Funke auf, Priester zu werden und in den Dienst Gottes zu treten. M. Sopoćko absolvierte das Priesterseminar in Vilnius, studierte später an der Universität von Warschau Pädagogik, erhielt seinen Magister in Theologie und mehrere Doktortitel.

Die bedeutsamsten und fruchtbarsten Lebensjahre verbrachte der Priester Sopoćko in Vilnius. Hier erwarb er seine Bildung, wurde zum Geistlichen geweiht und organisierte die katholischen Jugendverbände der Diözese. Als habilitierter Doktor wurde er als geistlicher Vater des Priesterseminars in Vilnius und als Dozent an der theologischen Fakultät der Stefan-Batory-Universität eingesetzt. In Vilnius kam es zum entscheidenden Zusammentreffen mit Schwester Faustyna Kowalska.

Die geistliche Tätigkeit von Michał Sopoćko war sehr vielseitig. Die besondere Bekanntschaft mit Schwester Faustyna und ihre Visionen inspirierten den Priester, sich der Verbreitung der Kunde von der Barmherzigkeit Gottes und des Kultes zu widmen: Er wollte ein Fest der Barmherzigkeit Gottes einführen, war einer der Begründer der Kongregation der Schwestern des Barmherzigen Jesus und leistete zudem einen Beitrag zur Anfertigung des Gemäldes des Barmherzigen Jesus, das in der gesamten katholischen Welt Berühmtheit erlangte.

Während der Kriegsunruhen versteckte er sich von 1942 bis 1944 in Juodšiliai. Nach dem Rückzug der Deutschen ließ er sich in Vilnius, im Pfarrhaus der St. Johanniskirche nieder. Er unterrichtete im Seminar bis zu dessen Schließung 1945, veranstaltete Glaubenskurse für Nonnen und Nichtgeistliche und versuchte sogar, die nach Vilnius kommenden Russen zu evangelisieren. Im Angesicht der Gefahr durch Repressionen der Sowjetmacht reiste er im Juli 1947 nach Białystok.

Die wissenschaftliche und pädagogische Tätigkeit dieses Geistlichen war einzigartig. Nach der Heiligsprechung des Priesters Michał Sopoćko im Jahr 2008 wurden mehrere seiner Bücher veröffentlicht: „Weg der Liebe und Barmherzigkeit“, „Auf deine Barmherzigkeit vertraue ich. Gedanken für jeden Tag“ und „Seine Barmherzigkeit währt ewig: Gedanken zur Barmherzigkeit Gottes“. In diesen Texten werden die Gedanken des Geistlichen dargelegt, die dem Menschen der Gegenwart dabei helfen sollen, den Weg der Liebe und Barmherzigkeit zu entdecken.

 

Bekanntschaft mit der Hl. Faustyna Kowalska

Im Jahr 1933 traf Priester M. Sopoćko Schwester Faustyna. Zu dieser Zeit war er der Beichtvater der Schwestern der Barmherzigkeit der Gottesmutter. Schwester Faustyna vertraute sich dem gebildeten geistlichen Vater an und sprach über die ihr widerfahrenden Heimsuchungen des Barmherzigen Erlösers und seine Anweisungen, von denen die deutlichste lautet: Schaffe ein Fest der Barmherzigkeit am ersten Sonntag nach Ostern, gründe eine neue Mönchsgemeinde und male ein Gemälde des Barmherzigen Erlösers. Diese der heiligen Faustyna von höchster Ebene übertragenen Aufgaben wurden zur Lebensmission des seligen Priesters Sopoćko. Er half der Nonne, die Heimsuchungen zu verstehen und schloss sich der Verkündung der Barmherzigkeit Gottes an, förderte die Anfertigung des Gemäldes des Barmherzigen Jesus, druckte die ersten Gebete der Barmherzigkeit Gottes und verfolgte das Ziel, dass die Obrigkeit der Kirche ein Fest der Barmherzigkeit Gottes bekanntgeben und seinen Kult bestätigen würde.

Als er ihr die langen Beichten abnahm, machte Pater Michał Schwester Faustyna, damals den Vorschlag, ihre spirituellen Erfahrungen niederzuschreiben. Deshalb kann heute jeder Interessierte über ein „Tagebuch“ Einblick in die Visionen der Schwester nehmen.


Adresse: Šv. Uršulės Str. 25, Dorf Juodšiliai, Gemeinde Juodšiliai, Bezirk Vilnius