Ausstellung der Sakralkunst

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Die Ausstellung der Sakralkunst ist eine 2005 eröffnete Abteilung des historischen Museums von Trakai, die in einer Kapelle des ehemaligen Dominikanerklosters auf dem Burggelände der Halbinsel von Trakai betrieben wird. Die Besucher können hier Einblick in die nach sakralem und künstlerischem Wert wichtigsten kirchlichen Attribute, religiösen Gemälde sowie Alltagsgegenstände des Klosters nehmen.

Die Räumlichkeiten des ehemaligen Klosterkomplexes wurden für die Ausstellung wertvoller Arbeiten angepasst. Die Ausstellung der Kirchenkunst umfasst heute mehr als 200 liturgische Werke der bildenden Kunst, darunter eine Monstranz aus dem 18. Jahrhundert, verziert mit dem Abbild der wundersamen Gottesmutter Trakais mit ihrem Kind, einen einzigartigen Stempel des Dominikanerklosters von Trakai aus dem Jahr 1709, ein von Goldschmieden aus Vilnius in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert hergestellter Kelch und andere Kirchenobjekte: liturgische Instrumente, Beispiele für die rituelle Kleidung der Priester, Taufmünzen, Kirchenstempel, von Prälaten und Kanonikern, beliebte Distinktoren usw. Hier kann man auch einige in der Pflanzenheilkunde und Medizinpraxis eingesetzte Gefäße zur Aufbewahrung von Salben besichtigen.Unter der Kapelle wurde in einem restaurierten Keller ein Fragment der Klosterküche wiederhergestellt, wo sich der Alltag der Ordensbrüder widerspiegelt und benutzte Alltagsgegenstände sowie andere Dinge ausgestellt werden.

Heute findet in der Kapelle kein Gottesdienst mehr statt, aber durch die Dauerausstellungen hat dieses kulturelle und historische Denkmal erneut eine sakrale Aura erlangt.

 

Die Geschichte des Ordens und des Klosters der Dominikaner

Der Orden der Dominikaner, auch Predigerorden genannt, wurde Anfang des 13. Jahrhundert vom heiligen Dominikus (Domingo de Guzmán) aus Spanien gegründet. Auf Latein bedeutet dominicanis„Hunde des Herrn“, deshalb ist eines der Ordenssymbole ein weißer Hund mit schwarzen Flecken, der eine brennende Fackel im Maul hält. Die Mönche, die ein kontemplatives Leben pflegten, gründeten Schulen, Universitäten, in denen sie selbst lehrten. Ihr Ziel war das Apostolieren, die Verkündung und das Studieren des Wort Gottes. Häufig von den Dominikanern verwendete Symbole sind die Lilie, das Buch, der Rosenkranz, der Stern und das Brot.

Die vom Großfürsten Litauens Kęstutis Ende des 14. Jahrhunderts errichtete Inselburg war einst eine der größten litauischen Wehrburgen. Vielleicht wurde sie deshalb „Große Burg“ genannt. Ihr Zweck änderte sich ständig. Zuerst war die Burg Residenz des Großfürsten, später ein Gefängnis für hochrangige Staatsfeinde und Gefangene und Ende des 17. Jahrhundert wurde sie an den Dominikanerorden übergeben.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert begannen die Mönche damit, auf diesem Gelände eine klassizistische Kirche mit drei Schiffen und zwei Türmen zu bauen. Aus Mangel an Geldmitteln wurde sie leider nur bis zu den ersten Fenstern gemauert. Anfang des 19. Jahrhundert wurde das unvollendete Bauwerk zum Kloster und zur Kapelle umgebaut. 1822 wurde die Kapelle auf den Namen des Hl. Erzengels Michael geweiht. Der Klosterkomplex bestand aus elf Zellen, der Sakristei, einer Schule, dem Glockenturm, dem Speisesaal mit Küche, dem Pferdestall und den vom Kloster gepflegten Gemüse- und Blumengärten.

Nachdem die zaristische Regierung das Dominikanerkloster von Trakai infolge des Aufstandes von 1863–1864 geschlossen hatte, wurde das Gebäude zur Haftanstalt der Polizei umgewandelt. In der Zwischenkriegszeit befanden sich in den Räumlichkeiten des Klosters das Gerichtsarchiv und die Polizeiverwaltung. Nach Besetzung des Gebiets um Vilnius ließ sich hier die polnische Grenzpolizei nieder und zu Sowjetzeiten befand sich das Gebäude in den Händen des KGB und der Miliz. Hier wurden politische Häftlinge eingesperrt. 

Das Burggelände auf der Halbinsel wurde mehrmals verwüstet. Als jedoch in den 60er Jahren damit begonnen wurde, sich um die Bewahrung des Erbes der Kulturgüter in Trakai zu sorgen, kam Interesse an den Gebäuden der Dominikaner auf.1990 ließ sich die Verwaltung des historischen Museums von Trakai in den teilweise restaurierten Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters nieder.Im Sommer 2005 wurde in der ehemaligen Kapelle des Klosters die Ausstellung der Sakralkunst eröffnet, erweckte diesen Raum zu neuem Leben und gab ihm seine religiöse Aura zurück.

 

Ausstellung der Sakralkunst

Die Ausstellung in der restaurierten Kapelle des Dominikanerklosters macht die Besucher mit der rituellen Kleidung der Priester und den typischen Accessoires vertraut. Hier wird ein Kasel ausgestellt – das prächtigste und bedeutsamste liturgische Gewand, das für die alles umgebende Liebe Gottes steht und die Reinheit und Gerechtigkeit des Geistlichen sowie die vom Heiligen Geist erfahrenen Gnaden symbolisiert. Hier kann man auch die Sandalen eines Bischofs, die früherCampagi genannt wurden, eine Mitra – die rituelle Mütze eines katholischen Bischofs, gefertigt aus den teuersten Stoffen und zu besonderen Anlässen getragen, u.a. besichtigen.

Das wichtigste Utensil für katholische Rituale – die Monstranz – ist meist besonders prachtvoll.Es ist ein liturgisches Utensil, in dem das heiligste Sakrament aufbewahrt und verehrt wird. Monstranzen werden nicht selten aus Edelmetallen hergestellt und mit Edelsteinen verziert. In dieser Ausstellung gibt es auch die Möglichkeit, den Melchisedekder Monstranz sowie den liturgischen Kelchzu besichtigen, in dem während des Gottesdienstes der eucharistische Wein und das Brot geheiligt werden.

Die Ausstellung der Sakralkunst ist auch reich an außergewöhnlichen Kunstwerken. Zu den berühmtesten gehört das Gemälde „Die Dominikaner verehren den wiederauferstandenen Christus“, auf dem nach Vermutung von Kunstforschern der Gründer des Dominikanerordens, der heilige Dominikus, abgebildet ist. Außerdem beachtenswert sind die Porträts des aus der litauischen Herrscherdynastie der Gediminaičiai stammenden Hl. Kasimir und Vytautas des Großen.

Das Museum ist reich an Skulpturen. Sie bilden den heiligen Kasimir, den heiligen Florian (den Erlöser vor dem Feuer, der auf wundersame Weise mit einem einzigen Eimer ein brennendes Haus löschte) und den heiligen Johannes Nepomuk (den Beschützer der Stadt Trakai sowie der im Wasser Verunglückten) ab. Die Ausstellung schmückt eine der in der litauischen Volkskunst am seltensten vorkommende Skulpturenkomposition – „Das letzte Abendmahl“.

 

Glocken

Seit langer Zeit symbolisiert das Glockengeläut für die Christen die Vertreibung böser Geister. Die in hohen Türmen hängenden Glocken laden die Menschen dazu ein, sich zu versammeln und sich bei Festen gemeinsam zu freuen, gemeinsam zu beten oder bei Unglücken ihre Kräfte zu vereinen. 

In Litauen entwickelte sich das Handwerk der Glockengießerei noch im 14. Jahrhundert. Und die im 16. Jahrhundert von Joanes de la Marche, dem besten Meister dieses Handwerks gegossenen Glocken zieren mit ihrem Klang noch heute den Glockenturm der erzbischöflichen Kathedrale, den Turm der Kirche der Hl. Apostel Peter und Paul, der Kirche von Pažaislis und anderer Kirchen.

Als Litauen im 18. Jahrhundert vom Russischen Reich annektiert wurde, hat die zaristische Armee leider viele alte Glocken zerstört. Das Handwerk der Gießerei war dem Verfall ausgesetzt und aus Königsberg, Russland, Polen oder Lettland herbeigeschaffte Glocken wurden populär. Heute gibt es in der Ausstellung der Sakralkunst die Möglichkeit, einige der Glocken aus dem 16.–19. Jahrhundert, die in Vilnius, Preußen, Riga und Westeuropa gegossen worden sind, zu besichtigen.


Adresse: Kęstučio Str. 4, Trakai, Gemeinde Trakai, Bezirksverwaltung Trakai