Die Kirche der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kasimir in Medininkai

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Die Ortschaft Medininkai ist für einige berühmte historisch-kulturelle Objekte berühmt. Hier kann man nicht nur die berühmte Burg, sondern auch eine der sieben ersten Gemeinden in Litauen besuchen. Der damalige litauische Großfürst und polnische König, der erste Vertreter der Dynastie der Jagiellonen, Władysław II Jagiełło, hat die Gemeinde von Medininkai gegründet, gleich nachdem Litauen im Jahr 1387 zum Katholizismus konvertierte. Obwohl die heutige Kirche der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kasimir ein halbes Jahrtausend später (1930) errichtet worden war, befanden sich bereit vor ihr mehrere Kirchen und Kapellen in dieser Siedlung.

1391 kamen Vertreter des Augustinerordens gemäß dem Privileg von Jagiełło nach Medininkai. Hier errichteten sie eine Kirche und ein Kloster und verwalteten diese Gemeinde für mehr als 400 Jahre. 1831 zwang der Druck der zaristischen Regierung die Augustiner dazu, Medininkai zu verlassen. Die Gemeinde wurde aufgelöst, ihr Land an die Gemeinden in der Nachbarschaft verteilt.

Heute wird die Kirche der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kasimir von den Franziskanerbrüdern bedient. Der erste Franziskanerbruder, Kamil Wielemanski, ließ sich 1961 nach seiner Rückkehr aus der sowjetischen Deportation hier nieder. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens zogen in das Kloster an der Kirche weitere Franziskanerbrüder ein – nicht nur aus Litauen, sondern auch aus dem Ausland.

Die Kirche wurde 1791 auf den Namen der Hl. Dreifaltigkeit geweiht. Historische Quellen belegen, dass sie damals über drei Altäre verfügte. Der große Altar der Hl. Dreifaltigkeit war fast gänzlich vergoldet sowie mit Gravuren und vier vergoldeten Statuen versehen. 

Im Namen des Hl. Kasimir wurde 1917 eine vorübergehende Kapelle geweiht, welche die Ortsbewohner im Krieg in einer Dorfscheune einrichteten, weil sie das Projekt zum Wiederaufbau der Kirche von Medininkai nicht finanzieren konnten. Im selben Jahr wurde auf Beschluss der Verwaltung der Diözese Vilnius die Gemeinde von Medininkai wiederhergestellt.

Die Kirche der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kasimir ist aus Holz gefertigt und besitzt einen rechteckigen Grundriss. Der Architekt des ursprünglichen Heiligtums ist Antonas Filipovičius-Dubovnikas. Die Kirche zieren Denkmalkreuze und andere Kunstgüter: Eine im 18. Jahrhundert angefertigte Orgel und ein Gemälde, das den Schutzpatron Litauens, den Hl. Kasimir, abbildet.

 

Die Kirche wurde mehrmals umgebaut​ 

Über die Kirche der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kasimir gibt es nicht viele schriftliche historische Quellen, aber sie bezeugen, dass die Geschichte einem starken Wandel unterlegen war.

Von 1391 bis heute wurde die Kirche von Medininkai zweimal umgebaut.Beim ersten Mal musste sie nach einem Brand im Jahr 1780 wieder aufgebaut werden: Das Feuer wurde wahrscheinlich von einer feindlichen Armee auf dem Weg durch das Dorf gelegt. Danach hielt der damalige Priester von Medininkai den Gottesdienst vorübergehend für die Gläubigen in einer Blockhütte mit einem Strohdach ab. Darin befanden sich drei Altäre. In einem von ihnen war ein auf Eichenholz gemaltes Gemälde der Hl. Jungfrau Maria aufgehängt. Bereits damals gab es in Medininkai eine Gemeindeschule, in der 15 Ortsbewohner lernten.

Das 19. Jahrhundert war für die Gemeinde und die Kirche von Medininkai besonders schwer. Während Napoleons Russlandfeldzug wurde der Ort im Jahr 1812 ausgeraubt und in Brand gesetzt: Pfarrhaus, Kloster, Bibliothek und Kirchenarchiv brannten nieder. Ab 1830 wurde das Schicksal der Gläubigen von der Regierung des russischen Zaren entschieden. Es wurde beschlossen, die Gemeinden der katholischen Mönche zu zerschlagen. Die Kirche und das Kloster wurden geschlossen, die Gemeinde von Medininkai wurde aufgelöst, der Grundbesitz aufgeteilt. Ein halbes Jahrhundert lang gab es im Dorf weder eine Kirche, noch eine Kapelle.

Der im 20. Jahrhundert organisierte Wiederaufbau des Gebetshauses hatte seine Tücken. Die russische Regierung wies mehrmals die Anfrage der Ortsbewohner zum Bau einer Kirche ab. Selbst die 1905 veröffentlichte Anordnung zur religiösen Toleranz hatte die Situation nicht verändert. Erst die Verwaltung der deutschen Besatzung im Jahre 1917 eröffnete die Möglichkeit zum Bau einer Kirche. Obwohl das Fundament der heutigen Holzkirche 1922 geweiht wurde, errichtete man die neue Kirche der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kasimir mit vereinten Kräften der Gemeindemitglieder erst etwa 10 Jahre später (1931).

 

Die Kunstwerke der Kirche

In der Kirche von Medininkai kann man wertvolle Kunstwerke betrachten: das Orgelprospekt, Denkmalkreuze und das Staffeleigemälde „Der Hl. Kasimir“. Das etwas größere Kreuz, welches mit unterbrochenen geometrischen Ornamenten verziert ist, hat nahezu die Proportionen eines lateinischen Kreuzes. Das kleinere Kreuz befindet sich über dem Kirchenvorbau und besitzt die Form eines Malteserkreuzes.

Das achteckige Malteserkreuz als Ordensemblem befestigte noch der erste Großmeister Raymond du Puy. Es ist bekannt, dass die Ritter dieses Ordens auch Mönchsgelübde(Gehorsam, Keuschheit und Armut) ablegten. Liebe, Respekt und die Unterstützung der Gerechtigkeit sowie Gunst, Erlösung und Schutz der Unterdrückten – dies sind die Werte des Malteserordens.

Der Orgelprospekt der Kirche von Medininkai im Stil des Spätbarocks wurde um 1788 geschaffen. Die Verzierungen der Orgel sind beeindruckend: Perfekte Schnitzereien mit girlandenförmiger Muscheln und flammendem Bärenklau dienen als Dekoration. An den Seiten sind Flügel angebracht.

Das Staffeleigemälde, welches den Hl. Kasimir abbildet, stellt eine Kopie des Gemäldes von Vincas Slendzinskis dar. Das Gemälde, welches Ruhe und Spiritualität verströmt, wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert von Liucija Balzukevičiūtė gemalt. Der kniende Heilige mit den zum Gebet gefalteten Händen wird mit kontrastierender Beleuchtung hervorgehoben. Der Hintergrund des Gemäldes zeigt meist dunkle Farben und Kasimir selbst wird mit dem roten Umhang eines Adeligen dargestellt.

Interessanterweise wurde der Hl. Kasimir stets mit rotem Gewand abgebildet. In der Ikonografie symbolisiert die rote Farbe das Martyrium, die mit der irdischen Qual Christi und dem für die Menschheit vergossenen Blut in Verbindung gebracht wird. Der Hl. Kasimir, der Schutzpatron Litauens, war jedoch nie ein Märtyrer. Das Recht zum Tragen roter Umhänge der Adeligen wurde ihm durch seine königliche Herkunft gewährt.


Adresse: Šv. Kazimiero Str. 4, Dorf Medininkai, Gemeinde Medininkai, Bezirk Vilnius