Die Kirche der Heimsuchung Gottes der Hl. Jungfrau Maria in Lentvaris

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Beschreibung

 

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Das etwa auf halbem Weg zwischen Vilnius und Trakai liegende Lentvaris ist berühmt für seine einzigartige Natur. Es befindet sich auf einer Halbinsel eines künstlich angelegten Sees ein erbautes Herrenhaus, das an ein englisches Schloss erinnert. Ebenfalls zu finden ist die retro-neoromanisch schöne, beeindruckende, massive und rot erstrahlende Kirche der Hl. Jungfrau Maria für die Heimsuchung Gottes.

Für den Bau der Kirche war Graf Juozas Tiškevičius verantwortlich, dem das Landgut Lentvaris in der Mitte des 19. Jahrhundert gehörte. Es wird bezeugt, dass die Kultur und Kunst Italiens der Ästhetik des Adeligen besonders nahe standen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die in Mailand seit dem 15. Jahrhundert stehende Kirche Santa Maria delle Grazieund das geheimnisvolle Fresko „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo Da Vinci als architektonische Vorlage und Inspiration für diese Kirche dienten.

Graf Tiškevičius glaubte daran, dass „Das letzte Abendmahl“ der Schlüssel zur Lebensphilosophie des für ein Genie gehaltenen Künstlers sei. Die Kirche der Hl. Jungfrau Maria Heimsuchung Gottes ist ein Ausdruck des besonderen Respekts für Leonardo da Vinci.

Besondere Aufmerksamkeit hat das Dekor der Kirche von Lentvaris verdient. Die mit Fresken und mit besonderer Sgraffito-Technik verzierten Wände der Kirche sind eine Seltenheit in Litauen! Die Dekorationsarbeiten fanden übrigens mitten im Zweiten Weltkrieg statt, als die notwendigen Materialien als strategisch wichtige und nur für militärische Zwecke einzusetzende Rohstoffe galten. Das Archiv des Künstlerverbandes besagt, dass damals jede Farbtube nach Listen vergeben wurde.

Die Kirche der Hl. Jungfrau Maria für die Heimsuchung Gottes gehört zum Dekanat Trakai. Jeden Tag wird der Gottesdienst auf Litauisch und Polnisch abgehalten. Außerdem findet jeden ersten Montag das Gebet für die Verstorbenen auf Latein statt.

 

Der Kirchenbau

Ende des 19. Jahrhundert baten Graf J. Tiškevičius und die Bewohner der Umgebung von Lentvaris die Regierung um die Genehmigung zum Bau einer Kirche, denn die Gläubigen mussten zum Gottesdienst in mindestens 10 km entfernte Orte fahren. Leider wurden die Gesuche immer abgelehnt. Es ist deshalb auch nicht erstaunlich, dass die Gläubigen von Lentvaris, als 1905 endlich die Genehmigung erteilt wurde, innerhalb von 10 Tagen eine Holzbaracke errichteten, in der vorübergehend der Gottesdienst abgehalten wurde.

Obwohl der Bau der richtigen Kirche zum Großteil von der Familie Tiškevičiai finanziert wurde, kamen die Geldmittel auch aus anderen Quellen. Im goldenen Spendenbuch sind die Beiträge bestimmter Einrichtungen und Privatpersonen verzeichnet. Das Geld wurde durch den Verkauf von Kerzen, Postkarten mit Abbildungen der im Bau befindlichen Kirche und anderweitig gesammelt. Sogar in Amerika organisierte der Katholikenverband spezielle Lotterien, Verkäufe und Veranstaltungen zum Sammeln des für die Kirche von Lentvaris notwendigen Geldes. 

Die Kirche der Hl. Jungfrau Maria Heimsuchung Gottes wurde auf einem von der Gräfin Tiškevičienė geschenkten Grundstück im damals in Europa besonders beliebten neoromanischen Stil entworfen. Wie typisch für die neoromanische Architektur, zeichnet sich die Kirche von Lentvaris durch Massivität, Halbkreisbögen und Fenster aus.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum als Vorlage für den Bau der Kirche unbedingt die Kirche aus Mailand ausgewählt wurde. Um der Unterdrückung durch die zaristische Regierung aus dem Weg zu gehen, hatte der Graf mehrere Jahre in dieser norditalienischen Stadt gelebt und er war von dieser Kirche und ihrem berühmten von Leonardo Da Vinci 1497 gemalten Fresko „Das letzte Abendmahl“ entzückt. Juozas Tiškevičius hielt diesen italienischen Meister für eine ideale Persönlichkeit und den idealen Künstler!

Die rote Steinkirche vom Typ einer Basilika wurde 1926 geweiht und erhielt den Namen Hl. Jungfrau Maria für die Heimsuchung Gottes. Während der Zeremonie wurde über dem Hauptaltar eine im 17.Jahrhundert erschaffene Skulptur des Gekreuzigten befestigt – ein Geschenk von Papst Pius XI. Interessanterweise hatte der Graf den Papst persönlich in Vilnius kennengelernt, als dieser als Nuntius von Warschau und apostolischer Visitator für die Länder Osteuropas 1920 Litauen besuchte.

 

Das Dekor der Kirche

Die Kirche der Hl. Jungfrau Maria Heimsuchung Gottes gilt als eines der größten und beeindruckendsten Beispiele der monumentalen Malerei aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert in Litauen. Die Fresken und Sgraffiti (it. sgraffito– gekratzt), die den religiösen Inhalt und die Symbole wiedergeben, bedecken fast alle Wände der Kirche.

Sgraffito ist eine einzigartige Technik der Wandmalerei. Zuerst wird Putz in mehreren Farbeschichten aufgetragen, in die Oberschicht wird ein Bild gekratzt und dann kommen durch das Kratzen des Putzes die Farben in den unteren Schichten zum Vorschein. Ein auf diese Weise gemaltes Gemälde ist ein langlebiges Kunstwerk, das an antike Vasen und Mosaiken aus der Romantik oder der byzantinischen Epoche erinnert.

Die Wahl der Dekortechnik Sgraffito für die Kirche von Lentvaris wurde nicht mit Zufall getroffen. Wie bereits erwähnt, kam die Inspiration von der Kirche Santa Maria delle Graziein Mailand, die für ihre eindrucksvolle Innenraumgestaltung berühmt ist. Außerdem passte sie am besten zur erhabenen und majestätischen Architektur der Kirche der Hl. Jungfrau Maria für die Heimsuchung Gottes. Übrigens wurde die Sgraffito-Technik nur in einer weiteren Kirche in Litauen angewendet – in der Kirche von Perloja unweit von Varėna.


Adresse: Mokyklos Str. 17, Lentvaris, Gemeinde Lentvaris, Bezirksverwaltung Trakai