Die Kapelle des Hl. Ignatius in Pričiūnai

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Beschreibung

 

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Am Rand der mit Wäldern bedeckten östlichen Region von Vilnius, 15 km östlich von Nemenčinė, in der Nähe der Grenze zu Belarus, befindet sich seit 1837 die helle Steinkirche des Hl. Ignatius. Sie ist berühmt für das zu Ehren des Schutzpatrons des Landkreises (Hl. Ignatius) Ende Juli veranstaltete Ablassfest.

Zu diesem Ablassfest kommen viele Gläubige – nicht nur aus der Gemeinde Buivydžiai, sondern auch aus abgelegeneren Winkeln Litauens. Der dabei geehrte Hl. Ignatius von Loyola ist nicht nur der Schutzpatron dieser Gegend, er ist auch berühmt als Begründer  eines Jesuitenordens - der Societas Jesu . Die Kapelle von Pričiūnai ziert die lateinische Inschrift mit der Devise dieses katholischen Ordens: Ad maiorem Dei gloriam, was auf Deutsch „Zur größeren Ehre Gottes“ bedeutet.

Über dem Eingang in die Kapelle halten zwei Gedenktafeln wichtige historische Fakten fest. Auf einer von Ihnen wird der Gründer der Kapelle, Antonas Lazarevičius, gewürdigt und das Baudatum der Kapelle (1837) ist vermerkt. Auf der anderen Tafel wird Wanda Boniszewska erwähnt, eine Nonne der Konkregation der Engelsschwestern, die nahezu 20 Jahre in Pričiūnai lebte und sich den Respekt der Gemeindemitglieder durch ihre unerschöpfliche apostolische Tätigkeit und der Hilfe für Verfolgte sowie ihre Stigmen verdiente.

Jedes Jahr organisiert die Gemeinde Buivydžiai die Gedenkwoche für Wanda Boniszewska und Helena Majevska. Traditionell führt die Pilgerfahrt „Auf den Spuren der Schwestern Wanda Boniszewska und Helena Majevska“ von Buivydžiai zur Kapelle des Hl. Ignatius in Pričiūnai. Sie dauert etwa 4 Stunden. Es wird behauptet, dass die Gegend um Pričiūnai magisch ist, da Besucher nicht selten den Wunsch verspüren, sich zu verbessern und Gott noch näher zu kommen.

Die Kapelle des Hl. Ignatius in Pričiūnai gehört zum Erzbistum Vilnius, zum Dekanat von Naujoji Vilnia.

 

Das Ablassfest des Hl. Ignatius

Dem Hl. Ignatius wird am 31. Juli gedacht. Damit werden die heiligen Ablassfeste in der Kapelle von Pričiūnai jedes Jahr am Monatswechsel von Juli zu August veranstaltet. Das Ablassfest zieht nicht nur Gläubige aus Litauen an, es kommen auch Engelsschwestern, ausländische Gäste (besonders aus Polen), ebenso Mitglieder des Litauischen Parlaments (Seimas), Vertreter des Europäischen Parlaments und anderer Regierungsbehörden.

Das Weihen der Autos der hier versammelten Gläubigen ist beim Ablassfest zu einer Tradition geworden. In der letzten Juliwoche findet das Fest des Hl. Christophorus – des Beschützers aller Reisenden – statt. Ein Musikensemble umrahmt das Ablassfest mit religiösen und weltlichen Melodien. Zudem werden Experten verschiedener Gebiete eingeladen, den Versammelten nützliches Wissen zu vermitteln: z.B. wie man sich ohne chemische Medikamente gesund hält.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes vom Ablassfest stehen die Schwestern Boniszewska und Majevska. Es wird der Nonnen der Kongregation der Engelsschwestern gedacht, an ihr apostolisches Werk in der Gemeinde Pričiūnai und über deren Grenzen hinaus erinnert, die Teilnehmer versetzen sich in die Lehren der Nonnen hinein, um spirituelle Stärke und Barmherzigkeit aufzunehmen.

 

Der Hl. Ignatius von Loyola

1491 kam im Baskenland (im Norden Spaniens) auf einem Familienschloss Ignacio Lopez de Loyola zur Welt. Oft als heiliger Krieger bezeichnet, kämpfte er in seinem Leben nur wenige Monate.Sein Traum von militärischen Heldentaten und Errungenschaften zerplatzte, als Loyola in der Schlacht von Pamplona von einer Kanonenkugel schwer verletzt wurde und fortan sein ganzes Leben lang hinkte. Während seiner Genesung nach der erfolglosen Schlacht wandte sich Ignatius dem Glauben zu und weihte den Rest seines Lebens der Tätigkeit als Seelenhirte. Heute ist Ignatius Loyola auf der ganzen Welt als Begründer der Societas Jesu bzw. des Jesuitenordens bekannt.

Interessanterweise lässt sich Compañia de Jesus (die spanische Bezeichnung der Societas Jesu) auch mit „Kompanie von Jesus“ übersetzen.

Im Laufe der Zeit verstand Ignatius von Loyola, dass es zur Bekehrung der Menschen zum Glauben und zum Erwecken ihres Wunsches, Gottes Wille zu verbreiten, notwendig wäre, ständig funktionierende, stabile Institutionen zu gründen. Also begann er Jesuitenschulen zu gründen und an ihnen zu unterrichten. Dem im 16. Jahrhundert in Vilnius gegründeten Jesuitenkolleg wurde gemäß dem Privileg des Königs und der Päpstlichen Bulle der Status der ersten Universität in Litauen zuerkannt.

Die bemerkenswerten von Ignatius von Loyola über nahezu 20 Jahre perfektionierten „Geistlichen Übungen“ sind der Leitfaden eines jeden Jesuiten. Darin sind der Weg zur Erkenntnis des Geistes von Loyola selbst sowie die Weisheit anderer Menschen verewigt. Obwohl das Büchlein keine leichte Lektüre ist, eröffnet sich darin das wichtigste Geheimnis der Spiritualität - eine sehr einfache Grundwahrheit des Lebens: Lieben und Gott dienen – „von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Willen“.

Die sehr umfangreiche Korrespondenz von Ignatius von Loyola ist erhalten geblieben. Sie wurde in 12 dicken Bänden sortiert – viel mehr als bei anderen Weisen seiner Zeit. Unter seinen Zeitgenossen gibt es historische Persönlichkeiten, die ihrer Zeit weit voraus waren: Michelangelo, die heilige Teresa von Ávila, Martin Luther, König Heinrich VIII und Christoph Kolumbus.

1622 wurde Loyola heiliggesprochen. Er schützt den Jesuitenorden, die Soldaten, Nonnen, Kloster und die geistige Erziehung. Der Hl. Ignatius von Loyola wurde zum Schutzpatron des östlichen Abschnitts des Bezirks Vilnius erklärt, welcher sich nahe der Grenze zu Belarus befindet.

 

Schwester Wanda Boniszewska

Die 1907 geborene bescheidene, sensible Wanda Boniszewska träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben als Nonne. Im Alter von 18 Jahren trat Wanda der Kongregation der Engelsschwestern in Vilnius bei. Nachdem Sie das ewige Gelübde abgelegt hatte, zog sie nach Pričiūnai, ging hier ihrer apostolischen Tätigkeit nach und half verfolgten Jugendlichen, Priestern und Lehrern.

Am Gründonnerstag des Jahres 1933 öffneten sich bei Schwester Wanda zum ersten Mal die Stigmen. Es ist ein Phänomen, das als Wunder angesehen wird: An verschiedenen Stellen des Körpers (gewöhnlich dort, wo der gekreuzigte Christus verletzt worden ist) treten rote Flecke oder Wunden auf. Laut Berichten von Augenzeugen widerfuhr Wanda dieses Phänomen meistens am Donnerstag- und Freitagnachmittag, besonders in der Heiligen Woche. Man erzählt sich, dass die Nonne Visionen hatte.

 

Schwester Helena Majevska

Die in einer frommen Familie aufgewachsene Helena fand im Glauben den Sinn des Lebens und die Grundlage für die Existenz des Menschen. Sie schloss sich der Kongregation der Engelsschwestern an, legte das ewige Gelübde ab, ging ihrer apostolischen Tätigkeit nach, stand aber verschiedenen Schwierigkeiten gegenüber: Sie wurde festgenommen und für 5 Jahre deportiert, weil sie einem Jesuitenpriester geholfen hatte.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Schwester Helena Majevska die wohl bedeutendste Erfahrung ihres Lebens – die Heimsuchungen Jesu. Kurze Zeit später wandte sie sich an den gesegneten Michał Sopoćko, der sich der Verbreitung der Kunde von der Barmherzigkeit Gottes verschrieben hatte. Sie arbeiteten bei der Gründung einer neuen Kongregation der Schwestern des Barmherzigen Jesus zusammen. 


Adresse: Pričiūnai, Gemeinde Buivydžiai, Bezirk Vilnius