Die Burgstätte Alt-Trakai und der Vytautas-Weg

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Beschreibung

 

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...Einst beschloss der große litauische Fürst Gediminas, der in der damaligen Hauptstadt Kernavė wohnte, zur Jagd in einen Wald am anderen Ufer der Neris auszureiten. Inmitten von Eichen erblickte er einen schönen Hügel, der sich über die Ebenen erhob. Der Fürst war von diesem wunderbaren Ort entzückt und beschloss, dort eine Burg zu errichten. So entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Burg und unweit von ihr entwickelte sich die Stadt, die heute Alt-Trakai genannt wird. Hierher verlegte Gediminas die Hauptstadt Litauens - jedoch nur für kurze Zeit.

Es sei angemerkt, dass der Name Trakai von dem Wort trakasstammt, das „höher gelegener Ort im Wald“ bedeutet. Der alte Forst und die Wälder verschwanden und die Erinnerung an die Landschaft mit dem Ortsnamen in Erinnerung gehalten.

Laut Archäologen haben in dieser Gegend seit uralten Zeiten Menschen gelebt. Es gibt Belege dafür, dass sich noch im 1. Jahrtausend v. Chr. neben dem kleinen See, der heute ein Sumpf ist, eine große Siedlung befand. Um sie zu bewahren wurde Alt-Trakai zum archäologischen Schutzgebiet erklärt. Bei Ausgrabungen kamen interessante Fundstücke aus verschiedenen Zeiten zu Tage: Tierknochen, Messer, Schlüssel, Pfeile von Armbrüsten u.a. Es wurden sogar Nagelscheren gefunden. Es wird vermutet, dass sie von der sagenumwobenen Birutė – der Gemahlin des Großfürsten Kęstutis und Mutter von Vytautas dem Großen – benutzt worden sein könnte.

Während der Kriege gegen den Deutschen Orden stieg die Anzahl der Burgen im Großfürstentum Litauen. Die Burg von Alt-Trakai – eine der ältesten Steinburgen Litauens – wurde an einem strategischen, besonders bequemen Ort errichtet. Der auf einem kleinen Hügel befindliche Burgplatz war von einem tiefen, mit Wasser gefüllten Graben umgeben. Interessanterweise berichten schriftliche Quellen aus dem 16. Jahrhundert, dass die Burg nur mit dem Boot erreichbar war. Auch auf viel späteren Plänen der Burganlage (19. Jahrhundert) ist eine Zugbrücke zu sehen.

Die Burg von Alt-Trakai ist die Heimatburg von Vytautas dem Großen. Chroniken zufolge kam um 1350 in der Familie des Fürsten Kęstutis von Trakai und der Priesterin Birutė eine der künftig berühmtesten Persönlichkeiten der litauischen Geschichte zur Welt. Während der Regentschaft des bis heute verehrten Fürsten Vytautas erweiterte sich das Gebiet des litauischen Staates von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer!

Nach seinem Umzug nach Neu-Trakai übertrug er die Fürsorge für seine Heimatburg in Alt-Trakai an die Benediktinermönche. Auf diese Weise wurde eines der ersten Klöster in Litauen gegründet.

 

Der Burgplatz von Alt-Trakai

Der auf einem kleinen Hügel in Alt-Trakai befindliche Burgplatz ist offizielles Kulturdenkmal von staatlicher Bedeutung. Die seit dem 14. Jahrhundert in schriftlichen Quellen erwähnte Burg wird wie die Halbinselburg den Ringburgen zugeordnet. Von allen Seiten war sie von einem mit 35–40 m breiten, bis zu 8 m tiefen mit Wasser gefüllten Graben umgeben und wurde von einer 10 m hohen Verteidigungsmauer aus Feldsteinen geschützt.

Ab 1316 war Alt-Trakai 7 Jahre lang die Hauptstadt des Fürstentums Litauen. Nachdem der Fürst Gediminas nach seinem visionären Traum vom eisernen Wolf die Hauptstadt nach Vilnius verlegt hatte, blieb dieser Ort die Hauptstadt des damaligen Fürstentums Trakai und der Statthalterschaft Niederlitauen. Auf der Burg residierten die Submonarchen Litauens, die den Schutz und die Verteidigung der Westgrenzen Litauens gewährleisteten.

Während der Kriege gegen die Kreuzritter wurde die Burg Alt-Trakai mehrmals angegriffen und beschädigt. Schicksalhaft war ein Angriff der Kreuzritter im Jahr 1391, bei dem die Burg stark beschädigt und nicht erneut aufgebaut wurde. Die Verteidigungsfunktion von Alt-Trakai verlor an Bedeutung.

Um 1410 bewohnten in der Heimatburg von Vytautas dem Großen die aus Tyniec (in der Nähe von Krakau) eingeladenen Benediktiner. Der Herrscher errichtete eine Holzkirche, überließ den Mönchen eine Desjatine vom Grund und Boden des Landgutes sowie zwei Seen. Das Kloster war bis Mitte des 19. Jahrhundert in Betrieb, bis es von der Verwaltung des Russischen Reiches geschlossen wurde.

Heute steht am alten Burgplatz das an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert errichtete Ensemble des Klosters und der neogotischen Kirche. Auf den Hängen des Burghügels wachsen die 200 Jahre alten Linden des Klostergartens. Unweit des ehemaligen Burgplatzes liegt das Straßendorf Alt-Trakai, das den Status eines architektonischen Schutzgebietes besitzt.

 

Der Weg von Vytautas dem Großen

In Richtung Alt-Trakai führt ein heute bei Geschichtsliebhabern beliebter Weg. Anlässlich des 570. Todestages des Fürsten hat die Direktion des historischen Nationalparks Trakai einen symbolischen Weg von Vytautas dem Großen angelegt. Dieses Projekt wurde auch von der Gemeinde Alt-Trakai mitgestaltet. Der im Jahr 2000 der Öffentlichkeit vorgestellte Weg besteht aus neun Stationen entlang der Route von Trakai nach Alt-Trakai – neun Gebetsäulen, welche die wichtigsten Ereignisse im Leben von Vytautas dem Großen sowie seine Verdienste symbolisieren. Im Internet oder im Tourismus-Informationszentrum kann man eine Karte des Vytautas-Weges finden, auf welcher der Ort jeder Gebetsäule genau angegeben ist.

Als Erste begrüßt den Reisenden die im Jahr 1998 errichtete Gebetsäule, welche den Hl. Georg abbildet. Auf einem kleinen Hügel, von dem aus sich der Ausblick auf die Inselburg und die Basilika von Trakai eröffnet, steht eine Skulptur, die den kämpferischen Charakter des Großfürsten sowie seine heftigen und siegreichen Schlachten symbolisiert. Ab hier beginnt der Weg zur historischen Hauptstadt Litauens – nach Alt-Trakai. Als Erbauer von Kirchen wird Vytautas der Große in Form der Kapelle des Hl. Kasimir gedacht. Für die Ansiedlung der Benediktiner in Alt-Trakai steht die dem Hl. Benedikt gewidmete Gebetsäule.

Die „Flucht nach Ägypten“ zeigt ein auf einem Pferd reitendes Paar. Es ist das Symbol für die Ankunft der Karäer in Litauen: Die Frau hält einen Korb mit Gurken und erinnert so daran, dass es die Karäer waren, die dieses Gemüse und die Traditionen von dessen Aufzucht von der weit entfernten Krim mitbrachten. Die historische ägyptische Prinzessin – die Schutzpatronin der Studenten, die Hl. Katharina von Alexandrien – würdigt die Anstrengungen von Vytautas, die Jugend zum Studium nach Westeuropa zu entsenden, wobei der erste litauische Student an der Universität von Krakau ein gewisser Mykolas aus Alt-Trakai war!

An der Einfahrt nach Alt-Trakai steht eine Skulptur zu Ehren der Eltern des Fürsten- Kęstutis und Birutė. In den Händen halten beide die Krone, welche Vytautas der Große nie erhalten hatte. Die „Schmerzerfüllte Pietà“erinnert an den traurigen Tod von Kęstutis auf der Burg von Kreva. Diese Gebetsäule erfuhr die besondere Aufmerksamkeit der Ortsbewohner: An ihr wird oft gebetet und ein Blumengarten wurde angelegt. Am Burgplatz von Alt-Trakai selbst steht die Skulptur der Hl. Maria mit dem Kind, welche die schöne Mutterschaft und die Heimatverbundenheit symbolisiert.

Die letzte und zuletzt aufgestellte Skulptur ist ein aus Holz gefertigter Fürst Vytautas, der in einer Hand ein Schwert und in der anderen das Staatssymbol Litauens – den „Vytis“ – hält.


Adresse: Pilies Str. 1, Dorf Senieji Trakai, Gemeinde Senieji Trakai, Bezirk Trakai.