Das Zentrum für Traditionelles Handwerk auf dem Landgut der Familie Houvalt

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Beschreibung

 

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Das Zentrum für traditionelles Handwerk in Maišiagala, das etwa 25 km nordwestlich von Vilnius bzw. in Richtung Panevėžys liegt, befindet sich im Gebäude eines ehemaligen Landgutes. Es ist die Hauptattraktion der Kleinstadt, welche die Gemeinde von Maišiagala und der Umgebung zusammenbringt und Gäste anzieht, die auf der Suche nach besonderen Eindrücken sind. Das am Fuße des Burghügels befindliche Landgut der Familie Houvalt im klassizistischen Stil wurde als Kulturdenkmal von lokaler Bedeutung anerkannt.

Das Ziel des Zentrums für traditionelles Handwerk liegt in der Förderung der Bewahrung der Bräuche und alten Handwerke des Landkreises Vilnius. Die Kontinuität der handwerklichen Traditionen soll durch deren Wiederbelebung, Präsentation für die Besucher des Zentrums und die Durchführung von speziellen Kursen erhalten werden. Die Bildungsveranstaltungen sind sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene konzipiert. Wer die Volkskunst und -Kultur näher kennenlernen möchte, für den werden Treffen mit Kunsthandwerkern und Personen aus dem Bereich der Kultur organisiert. Außerdem werden Ausstellungen und Handwerkermärkte veranstaltet, bei denen man traditionelle Handarbeiten oder Leckereien erwerben kann.

Auf dem Landgut der Familie Houvalt befinden sich neben dem Zentrum für traditionelles Handwerk auch das Kulturzentrum von Maišiagala, die Stadtbibliothek, das Gemeindehaus, einen Konzertsaal und einen Laden, in dem jeder Souvenirs erwerben kann. Interessenten haben die Möglichkeit, einen modern eingerichteten Konferenzraum zu mieten.

 

Altertümliches Handwerk

Im Zentrum des traditionellen Handwerks versammeln sich Meister der Volkskunst, für die hier die Bedingungen zum Arbeiten, zum Ausstellen ihrer Werke und zum Lehren ihres Handwerks geschaffen werden: Es wurden eine technische Basis für traditionelle Handwerke und spezielle Werkstätten eingerichtet. Dadurch sollen nicht nur die Handwerker dieses Landkreises vereint, sondern auch eine Zusammenarbeit mit den Meistern andere Länder erreicht werden. Interessenten erhalten Hilfe beim Erlangen eines Handwerkerzertifikats.

Die Volkskünstler und Kenner der lokalen Folklore bieten den Besuchern im Zentrum für traditionelles Handwerk verschiedene Bildungsveranstaltungen. Über zehn Experten verschiedener Handwerke helfen Kindern und Erwachsenen beim Kennenlernen nützlicher Fertigkeiten und beim Vertiefen ihrer Kenntnisse. Ein Holzschnitzer, eine Scherenschnittmeisterin, eine Seifenherstellerin und ein Tischler geben gern ihr Wissen weiter. Man kann auch lernen, wie man Kerzen zieht, Stroh flechtet und natürlich gibt es auch Kurse im Filzen oder Herstellen von Keramik. Jeder Interessierte erhält die Möglichkeit, die ausschließlich im Landkreis Vilnius gepflegte Kunst der Herstellung eines Palmwedels zu erlernen und mehr über die traditionellen Festtagsgerichte sowie die regionalen Bräuche zu erfahren.

 

Die Gemeinde Maišiagala

Maišiagala findet in schriftlichen Quellen bereits seit dem Jahre 1254 Erwähnung. Ab dem 15. Jahrhundert gehörte dieses Gebiet den litauischen Herrschern. Hier lebte der Großfürst Algirdas. Nach mehreren Jahrhunderten ging der Landbesitz in das Eigentum von Adeligen über.

Die Gemeinde von Maišiagala, die heute ca. 1800 Einwohner zählt, betreibt die aktive Pflege der Traditionen und der Kultur ihres Landkreises, die ihre Wurzeln weit in der Vergangenheit haben. Um das historisch-kulturelle Erbe zu bewahren und an künftige Generationen zu vermitteln, wurde mit vereinten Bemühungen der Gemeinde von Maišiagala und der Bezirksverwaltung Vilnius aus dem EU-Fonds eine Förderung für die Restaurierung des Landgutes der Familie Houvalt und dessen Anpassung für öffentliche Zwecke erwirkt.

Das Palais im klassizistischen Stil, dessen Restaurierung 2016 abgeschlossen wurde, ist jetzt der Kulturmagnet der Kleinstadt Maišiagala. Hier fehlt es nicht an Aufgaben und Vergnügungen, die Bewohner im Form von verschiedenen Veranstaltungen und Festen genießen. Die künstlerischen Kollektive von Maišiagala haben nun zur kalten Jahreszeit einen Raum für Proben und Konzerte. Bei Kalenderfesten präsentieren Vokalensembles und traditionelle Tanzgruppen das lokale folkloristische Erbe. Außerdem wird jedes Jahr im Sommer ein Fest zur Pflege der Kultur und Traditionen der Kleinstadt organisiert.

Die Gemeinde von Maišiagala setzt verschiedene Projekte erfolgreich um. Eines davon ist die Gründung eines Klubs der Hausfrauen. Ihre kulinarische Erfahrung und so manches Geheimnis haben die erfindungsreichen und fleißígen Frauen durch die Veröffentlichung eines elektronischen und eines gedruckten Rezeptbuches enthüllt.

 

Die Geschichte des Landgutes der Familie Houvalt

Historische Quellen belegen, dass in der Umgebung von Maišiagala bereits zu Zeiten des litauischen Großfürsten Algirdas Menschen gelebt haben – in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert - also etwa 100 Jahre früher als in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Ebenfalls verstand Algirdas in Maišiagala im Jahr 1377. Lange Zeit gehörte das Gebiet den litauischen Herrschern, später geriet es in die Hände der litauischen Adeligen Sapieha und später in die der Tiesenhausen. Ab dem Ende des 18. Jahrhundert war es das Eigentum der Adelsfamilie Houvalt, die das Landgut bis zum Anfang des Zweiten Weltkriegs bewohnte.

Der Graf Onuphrius Houvalt gab 1806 den Bau des klassizistischen Herrenhauses in Auftrag. Urheber des Entwurfs war der damals berühmte Architekt und Professor der Universität Vilnius Mykolas Angelas Šulcas. Nach dem Tod des Architekten wurde seine Idee leider nur zum Teil umgesetzt. Den Bau des Herrenhauses konnte der Enkel von Onuphrius, Witold Houvalt, erst gegen Ende des 19. Jahrhundert zum Abschluss bringen.

Der Zweck des Landgutes der Familie Houvalt war nach dem Zweiten Weltkrieg ständiger Veränderung unterworfen. Während des Krieges fanden hier die Ortsbewohner Zuflucht. Später, als sich die Verhältnisse änderten, wurden hier die Bediensteten des Landgutes, die zu Kolchosbauern geworden waren, untergebracht. Noch später wurde im Gebäude ein sowjetisches Wirtschaftskontor eröffnet, und nachdem Litauen seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, befand sich hier die Mittelschule des litauischen Großfürsten Algirdas.

Nach dem Umzug der Schule erhielt das Landgut der Familie Houvalt seine öffentliche und kulturelle Funktion zurück: Hier wurde die Bibliothek der Kleinstadt gegründet. Ebenfalls trafen sich Laienkollektive und die lokale Gemeinde an diesem Ort. Das über 200 Jahre alte Landgut der Familie Houvalt ist heute ein Punkt, an dem das kulturelle, künstlerische und nationale Erbe gepflegt wird.


Adresse: Algirdo Str. 4, Maišiagala, Gemeinde Maišiagala, Bezirk Vilnius