Das Władysław-Syrokomla-Museum

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Beschreibung

 

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14 km von der Hauptstadt entfernt in Richtung Rukainiai auf der alten Landstraße Vilnius–Minsk, liegt das Dorf Bareikiškės. Das dort befindliche kleine Landgut wird mit dem Namen eines bekannten Dichters, der im 19. Jahrhundert in Litauen tätig war, in Verbindung gebracht. Das damals dem Grafen Benediktas Tiškevičius gehörende Gebäude hatte Władysław Syrokomla mit seiner Familie gemietet. Der Dichter, Dramatiker und Publizist Syrokomla verlebte hier acht besonders kreative Jahre.

Auf dem mit typischen Feldblumen und Gras bewachsenen litauischen Gehöft wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhundert eine Schule betrieben, die bis zum Zweiten Weltkrieg den Namen des Dichters Syrokomla trug. Später beherbergte das Landgut Bareikiškės die Bibliothek des Dorfes. Im Jahre 1973 wurde das Arbeitszimmer von Syrokomla anlässlich des 150. Geburtstages des Dichters zum Gedenkmuseum erklärt. Hier können die Besucher die Möbel und Porträts des Dichters, seine Bücher und andere persönliche Gegenstände besichtigen.

Im Hof des Gehöfts steht ein Tisch, der aus einem Mühlstein angefertigt wurde. Auf ihm verfasste der Dichter mehrere seiner Werke und empfing daran auch seine Gäste. Unweit davon steht ein Gedenktisch aus schwarzem Granit, der 1897 zum Andenken an den Dichter aufgestellt wurde. Auf seiner Oberfläche sind eine Lyra und ein Zitat aus seinem bekannten Gedicht „Der Dorflyriker“ eingraviert.

In Bareikiškės verbrachte Syrokomla die kreativsten Jahre seines Lebens. Der respektierte und geliebte Dichter des 19. Jahrhundert verfasste hier 24 seiner Werke. Man sagt, dass sich die Verleger aufgrund seiner neuen Werke einen Wettstreit lieferten und 2 Złoty oder gar einen halben Rubel pro Gedicht boten! Die literarische Tätigkeit half Syrokomla, für den Unterhalt des Vorwerks und der großen Familie zu sorgen.

Die Mitarbeiter des Władysław-Syrokomla-Museums organisieren diverse Bildungs- und Kulturveranstaltungen. In einem speziell eingerichteten altertümlichen Keller finden Keramikkurse statt und man kann Einblick in die Kunst der Kalligrafie nehmen. Das unter freiem Himmel gelegene Amphitheater bringt Dichter, Literaten und Liebhaber der Dichtkunst beim alljährlichen Fest der Poesie und Musik „Sirokomlės lyra“ zusammen. Das Tourismus-Informationszentrum bietet Exkursionen auf umliegenden Routen, auf denen man die Geschichte und Gegenwart Südost-Litauens, den Bezirk Vilnius und seine Kulturdenkmäler kennen lernen kann.

Das Museum ist von Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Vor der Ankunft wird empfohlen, nach den konkreten Öffnungszeiten zu fragen. Das im Dorf Bareikiškės gelegene Museum ist nicht schwer zu finden – Sie können es sowohl mit dem Auto, als auch mit dem Bus vom Busbahnhof in Vilnius erreichen. 

 

Das kurze Leben von Syrokomla

Ludwik Władysław Kondratowicz, der später aus seinem zweiten Vornamen und der Bezeichnung seines Familienwappens das Pseudonym Syrokomla entwickelte, wurde 1823 in Smolhov (Mahiljouskaja Woblasz, Belarus) geboren. Obwohl er in einer unvermögenden Adelsfamilie aufwuchs, interessierte er sich seit seiner Kindheit für Bücher. Angeblich habe er im Alter von sechs Jahren die 10-bändige Gedichtsammlung von Ignacy Krasick gelesen.

Mit 21 Jahren hatte Syrokomla vier Kinder. Die Familie lebte damals im Dorf Zalučai, wo der Dichter auch seine kreative Tätigkeit aufnahm. Leider forderte eine Epidemie im Jahr 1852 innerhalb einer Woche das Leben von drei seiner Kinder. Nach dieser großen Tragödie zog die Familie nach Vilnius und ein halbes Jahr später nach Bareikiškės.

Syrokomla hielt sich in Bareikiškės auf, lebte aber auch oft in Vilnius. In seinen kreativen Werken wird diese Stadt oft erwähnt: Vilnius widmet er mehrere Gedichte, darunter auch das Gedicht „Marcin Studzieński“. 

Auf dem Landgut waren Syrokomlas Freunde aus Vilnius zu Besuch. Zu seinen Gästen gehörten der Komponist Stanisław Moniuszko, der Archäologe E. Tiškevičius und der Maler V. Dmochovskis, sowie Schriftsteller und Verleger.

Das Leben von W. Syrokomla selbst war sehr kurz: Er starb mit nicht einmal 40 Jahren. Während seiner Lebzeiten verstand er es jedoch, die Herzen seiner Zeitgenossen anzusprechen. Letzter Ort der Zuflucht für den an Tuberkulose erkrankten Dichter war das Haus von A. Bobiatyński in der damaligen Botanikos-Straße in Vilnius. Fast ganz Vilnius versammelte sich, um dem Dichter auf dem Literatenhügel des Rasos-Friedhofs die letzte Ehre zu erweisen. Lange Zeit befand sich auf dem Grab nur ein hohes Kreuz aus Kiefernholz. Später wurde ein bescheidenes Denkmal aufgestellt, das einen Vers aus seinem berühmten Gedicht „Der Dorfsänger“ trägt: „Er starb beim Spielen seiner Lyra“.

 

Das kreative Leben des Dichters

Die Zeit, die Władysław Syrokomla im Dorf Bareikiškės verbrachte, war ein besonders produktiver und erfolgreicher Abschnitt seines Schaffensweges. Er schrieb Gedichte, Satiren, Komödien, übersetzte die Werke von Dichtern der litauischen und polnischen Renaissance aus dem Lateinischen. In Bareikiškės schrieb er seine berühmtesten Werke, unter anderem die historische Dichtung „Margiris“ über die heldenhaften Feldzüge in den Kämpfen gegen die Kreuzritter und die Komödie „Das Häuschen im Wald“, ein vom Dichter selbst gespieltes kurioses Drama. Der Künstler schrieb auf Polnisch und Weißrussisch.

Wegen seiner berühmten Reiseberichte„Wanderung von Vilnius durch Litauen“ und „Die Memel – von der Quelle zur Mündung“ gilt Syrokomla als Wegbereiter des modernen Heimattourismus. Die detailliert und poetisch beschriebenen Reisen durch den Landkreis Trakai fordern zum vielseitigen Kennenlernen des Landes auf: „Der Boden für Untersuchungen in Litauen ist breit und unerschöpflich wie das Meer. Auch der Maler findet hier Inspiration, ebenso der Geologe, der in die Tiefen der Erde eindringt, der Botaniker, der Landwirt und der Historiker, der die Burghügel, die Ruinen der Burgen und Kirchen sowie die Archive durchforstet. Auch der Dichter kann seine Stimme mit Volksliedern und Sagen stärken. Auf uns alle wartet eine große Ernte, die wir zuvor nicht gesehen haben, wenn wir auf das bescheidene, aber gemütliche und gute Gesicht unserer Erde blicken.“

Im gesamten Werk von Syrokomla dominieren die Geschichte, die Natur und die Menschen Litauens. Die Werke des Dichters sind wertvolle historische Quellen des 19. Jahrhundert und die Heimatliebe und ihre Bedeutung wurde in vielen Werken auf poetische Weise zum Ausdruck gebracht: „Mir scheint, dass es sich beim direkten Ausdruck dessen, was wir Heimatliebe nennen, um die Erforschung des Landes unter historischem, natürlichem, ethnografischem, archäologischem und geografischem Gesichtspunkt handelt. Denn wie kann man lieben und Blut für etwas vergießen, was man nicht kennt und nicht versteht.“


Adresse: Sirokomlės Str. 5, Dorf Bareikiškės, Gemeinde Rukainiai, Bezirk Vilnius